Advanced Practice Nursing: Was heisst das und wer profitiert davon?

Insgesamt drei APN-Stellen gibt es bei den Gesundheitszentren für das Alter der Stadt Zürich. Die Advanced Practice Nurses – kurz APN – sind in den Häusern mit Fokus «Wohnen im Alter» im Einsatz. Wofür genau, das schildert uns Corinne Steinbrüchel, APN, gleich selbst. Und was das Haus dazu sagt, hören wir von Olivera Kojic, Leiterin Betreuung und Pflege ad interim im Gesundheitszentrum Wildbach.

Beginnen wir ganz vorne: Corinne – was bedeutet APN und wie würdest du deine Funktion beschreiben?

APN ist die Abkürzung von Advanced Practice Nursing/Nurse. Meine Aufgabe ist es, die Pflegequalität zu verbessern, damit die Sicherheit für Bewohnende weiterhin gewährleistet ist. Eines meiner Ziele ist es deshalb, das Betreuungs- und Pflegeteam im Haus zu befähigen, auch herausfordernde Situationen eigenständig und effizient meistern zu können. Dazu leite ich an, bespreche und begleite medizinische Herausforderungen anhand einzelner Fälle direkt vor Ort mit den Teams.

Weshalb ist das nötig?

Auch bei unserem Angebot «Wohnen im Alter», bei dem vor allem das selbständige Wohnen im Vordergrund steht, gibt es zunehmend komplexe Fälle. Zum Beispiel Bewohnende mit einer Vielzahl an medizinischen Diagnosen und Nebendiagnosen – das führt mitunter zu herausfordernden Situationen für Mitarbeitende in der Betreuung und Pflege. Zudem haben wir im Gegensatz zum Angebot «Spezialisierte Pflege» keine Ärzt*innen vor Ort. Daher muss das Betreuungs- und Pflegeteam eine Risikosituation kompetent einschätzen und sich zielführend und effizient mit den Hausärzt*innen austauschen können.

Und wie organisierst du dich?

Mir sind vier Standorte zugeteilt: die Gesundheitszentren für das Alter Grünau, Limmat, Stampfenbach und Wildbach. Es ist nicht immer ganz einfach, den Überblick zu behalten. Die Häuser mit ihren Menschen und Ansprüchen sind sehr verschieden. Ich achte darauf, dass ich mindestens zwei aufeinanderfolgende Tage im selben Haus bin. Dadurch kann ich Dinge anreissen und bin auch am nächsten Tag noch vor Ort und kann unterstützen. So schaffe ich es mit meinen 70-Prozent-Pensum, dass ich in jedem Haus etwa drei bis vier Tage pro Monat vor Ort sein kann.

Olivera, du bist Leiterin Betreuung und Pflege ad interim im Gesundheitszentrum Wildbach. Wie hat das Team auf Corinne reagiert?

Corinne ist jetzt den fünften Tag bei uns und ich wünschte mir, sie könnte noch öfters hier sein. Als ich vom APN-Projekt erfahren habe, wusste ich noch nicht, was ich davon halten soll. Aber als ich Corinne kennengelernt habe, war mir sofort klar, dass das eine Bereicherung sein wird – sowohl für die Mitarbeitenden als auch für die Bewohnenden und Angehörigen.

Kannst du ein konkretes Beispiel nennen?

Sogar mehrere. Ein Ehepaar zog neu bei uns ein. Noch am selben Tag baten wir Corinne, bei der Bewohnerin vorbeizuschauen. Diese klagte über Unwohlsein. Corinne hat sie durchgecheckt und schickte die Bewohnerin wegen hohen Pulses sofort zu ihrem Hausarzt, dieser überwies sie wiederum an die Kardiologie. Corinne vermutete nach dem Check ein Vorhofflimmern bei der Bewohnerin. Wir besprachen den Fall dann auch direkt beim nächsten Rapport.

Und dann gibt’s ja noch unseren Konsiliar- und Liaisondienst. Wir haben so viel Fachwissen und Kompetenz bei den Gesundheitszentren, aber man muss wissen, wie man an die Expert*innen herankommt. Einer unserer Bewohner kämpft seit längerem mit suizidalen Gedanken. Wir hatten den Massnahmenkatalog bereits ausgeschöpft. Trotz Austausch mit Angehörigen und Gesprächen mit seinem Hausarzt wurde es nicht besser. Corinne zeigte und erklärte uns das interne Meldetool, in dem wir den Fall schildern und direkt Unterstützung anfordern konnten. Nach einer kurzen Bewertung des Falls traf sich ein Fachexperte Psychiatrie der Gerontologischen Beratungsstelle SiL – auch Teil der städtischen Gesundheitszentren – wenige Tage danach bereits mit dem Bewohner und uns hier im Wildbach. Das hat alles wie am Schnürchen geklappt.

Also eine gute Sache?

Es ist in der Tat eine Bereicherung für alle hier, wir profitieren vom Fachwissen und der Erfahrung und schätzen den lebendigen Austausch. Und was ich noch unterstreichen möchte: Weder mein Team noch ich fühlen uns von Corinne kontrolliert. Im Gegenteil, für uns ist es ein Privileg, dass sie hier ist.

Übrigens: Ein weiteres Interview mit Corinne Steinbrüchel zum APN-Projekt gibt’s auf der Website der städtischen Gesundheitszentren für das Alter: Exzellenz in der Pflege: Advanced Practice Nursing – ein Pilotprojekt Gesundheitszentren (stadt-zuerich.ch)

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