Internationale Studierende erhielten Einblicke in die Schweizer Altersversorgung – und entdeckten, wie vielfältig und aktiv das Leben im Alter sein kann.
Wie können Menschen möglichst lange gesund und selbstbestimmt leben? Mit dieser Frage beschäftigten sich die 25 Teilnehmenden der UZH International Summer School «Healthy Longevity». Die Studierenden aus Europa, Asien, Australien und den USA brachten unterschiedliche fachliche Perspektiven mit – von Psychologie und Biologie über Medizin bis hin zu Wirtschaft, Geografie oder Neurowissenschaften. Während drei Wochen verbanden sie aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Lehre mit Einblicken in die Praxis.
Ein wichtiger Programmpunkt führte die Bachelor- und Masterstudierenden ins Gesundheitszentrum für das Alter Mathysweg der Stadt Zürich. Vor Ort erhielten sie Einblicke in die Altersversorgung in der Schweiz und tauschten sich mit Fachpersonen über die Herausforderungen und Chancen einer alternden Gesellschaft aus. Das Highlight war der Besuch bei einem Paar, das im Gesundheitszentrum zuhause ist.
Welche Themen die Studierenden besonders interessierten und welche Impulse der Besuch für beide Seiten bot, erzählt Kornelia Kotkowski, Leiterin Forschung bei den Gesundheitszentren für das Alter, im folgenden Kurzinterview.
Welche Rolle spielen die Gesundheitszentren für das Alter bei der UZH International Summer School?
Kornelia Kotkowski:Wir gestalteten einen Nachmittag zum Thema Langzeitpflege und ermöglichten echte Einblicke– bereits zum zweiten Mal waren wir Teil der UZH Summer School «Healthy Longevity». Als Beispiel für einen Vorzeigebetrieb besuchten wir erneut das Gesundheitszentrum für das Alter Mathysweg. Die moderne Infrastruktur, die professionelle Führung und das motivierte Fachpersonal gaben einen Eindruck davon, wie gute Pflege und Betreuung in der Schweiz im besten Fall umgesetzt werden. Und wir haben vermittelt: Das ist nicht überall in der Schweiz der Standard. Zudem war uns wichtig zu zeigen, dass der letzte Lebensabschnitt aktiv und schön gestaltet sein kann. Eine Institution der Langzeitpflege ist vor allem ein Ort zum Leben und ein Zuhause.
Was haben die Studierenden im Gesundheitszentrum Mathysweg erlebt?
Als Einführung gab es eine Präsentation zum Schweizer Gesundheitswesen: wie wir organisiert sind, was zur Grundversorgung gehört, was die Versicherungen abdecken, wie viel Geld in die Prävention fliesst und wie die Lebenserwartung hierzulande ist. Auch das Thema «Longevity» wurde eingeflochten, bevor wir dann in Gruppen auf einen Rundgang durch den Betrieb gingen. An verschiedenen Posten konnten die Studierenden Angebote für ein gesundes Leben ausprobieren, etwa die Tovertafel oder das Trainingsgerät Dividat Senso. Zusätzlich konnten die Studenten den Bewohnenden auf ihren Zimmern Fragen stellen. Abschliessend trafen wir uns alle wieder zum Apéro und offenen Austausch.

Welche Themen haben die Studierenden besonders interessiert?
Es kam schon während der Einführungspräsentation zu einer guten Diskussion über Gesundheitsförderung. Die Studierenden wunderten sich, dass die Schweiz im internationalen Vergleich weniger für Prävention ausgibt, dafür viel für ein gutes Leben im Alter bietet. Auch am Umgang mit Menschen mit Demenz auf der weglaufgeschützten Abteilung waren sie sehr interessiert: Wie viel Freiheit ist möglich, wo beginnt Schutz, wer entscheidet das? Das sind Fragen, die uns fachlich täglich beschäftigen – und es tut gut, sie mit jemandem zu diskutieren.
Das Highlight war allerdings der Besuch im Apartment eines Paares, das im Gesundheitszentrum Mathysweg lebt. Die Studierenden stellten den beiden viele, teils sehr direkte Fragen. Sie lernen ja in der Theorie über das Alter – über Demenz, Multimorbidität, Versorgungsmodelle – haben aber selten die Möglichkeit sich mit einem 88-jährigen Menschen einfach darüber zu unterhalten. Das Paar hat das mit grosser Offenheit aufgenommen. Ich habe gespürt, wie in dieser kurzen Zeit Nähe entstanden ist und aus «den alten Menschen» zwei Personen mit einer Biografie, Humor und klaren Ansichten wurden.
Wie waren die Rückmeldungen auf den Besuch im Gesundheitszentrum Mathysweg?
Es liegt nahe, dass die Studierenden das Angebot in der Schweiz mit dem aus ihrem Land vergleichen. Das ist für alle Teilnehmenden spannend. Ausserdem hatten einige Aha-Momente, als sie merkten, wie erfüllt das Leben im Alter noch sein kann, dass die Menschen aufgestellt sind, im Restaurant essen, in die Stadt gehen und ein breites soziales Aktivierungsangebot nutzen. Und, dass sie nicht in einem Zimmer mit Spitalcharakter wohnen, sondern zwischen den eigenen Möbeln – schliesslich ist das ihr Zuhause. Auch die moderne Ausstattung und das Essen löste positive Reaktionen aus.
Wie profitieren die Gesundheitszentren für das Alter von diesem Austausch?
Wir nutzen diese Plattform, um jungen, interessierten Menschen zu zeigen, was wir für die Langzeitpflege tun. Für das Personal des Gesundheitszentrums Mathysweg ist es ein Schaufenster, um zu zeigen, was sie für die Bewohnenden täglich leisten und wie gut dieser städtische Betrieb funktioniert. Bestenfalls gehen alle mit einem positiven Eindruck des Schweizer Gesundheitssystems nach Hause.
Für uns selbst ist vor allem der Austausch wertvoll: Kritische Fragen von aussen bringen Perspektiven, die im Alltag untergehen. Manches, was für uns selbstverständlich ist, mussten wir an diesem Nachmittag erst einmal erklären – und das ist immer ein guter Test.
Was nimmst du von diesem Tag mit?
Wie wenig Herkunft und Kultur eine Rolle spielten. Alle teilten das Interesse an «Longevity», und das verband über alle Fachrichtungen und Kontinente hinweg. Für das nächste Mal nehme ich vor allem eines mit: Mehr Zeit für Begegnungen mit Bewohnenden einplanen. Das ist offensichtlich der Teil, der bleibt.
An dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön an die Betriebsleitung und alle Beteiligten des Gesundheitszentrums Mathysweg für die sehr gute Organisation und das grosse Engagement rund um die Teilnahme an der UZH Summer School.
