Wie wird das Sofa im Gesundheitszentrum zum Lieblingsplatz?

Welche Anforderungen stellen ältere pflegebedürftige Menschen an Sitzmöbel? Ein Praxisbeispiel aus dem Gesundheitszentrum für das Alter Trotte in Zürich-Wipkingen zeigt, was Möbelhersteller beachten sollten.

«Manchmal sind es nur zwei Zentimeter, die einen Unterschied machen» erklärte ich im Gespräch mit Benjamin Karli, Leiter Betreuung und Pflege des Gesundheitszentrums für das Alter Trotte. Ich bezog mich dabei auf die Sitzneigung bei Polstermöbeln. Wenn sich der Sitz nach hinten neigt, kann das dazu führen, dass Betagte nicht mehr selbständig aufstehen können. Aus Angst, beim Aufstehen auf Hilfe angewiesen zu sein, setzen sich die Menschen nicht mehr hin.

Ich bin Franziska Scheuber, Innenarchitektin und Sozialpädagogin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin der Scheuber AG Raumgestaltung. Ich berate Altersinstitutionen hinsichtlich alters- und demenzgerechter Inneneinrichtung. Unsere Marke «Fidera» bietet massangefertigte Möbel für die erhöhten Ansprüche im Alters- und Pflegebereich. Bild: Scheuber AG, zVg.

Bei der Entwicklung der Fidera-Polstermöbel haben wir zusammen mit Expert*innen aus der Pflege und Betroffenen eruiert, welche Eigenschaften Polstermöbel für Menschen mit Demenz aufweisen müssen, um die Selbstwirksamkeit und Autonomie und dadurch die Würde der Menschen zu erhalten. Entstanden sind Möbel, die auf die Bedürfnisse von Betagten und Menschen mit Demenz angepasst sind und die Arbeit der Pflegenden erleichtern.

Platzierung im Raum, Sicherheit und Stabilität

Mit dem Alter schwindet die Kraft und die Wahrnehmung verändert sich. Für Menschen mit einer dementiellen Erkrankung wird es zunehmend schwieriger, die Umwelt einzuordnen. Hierbei helfen Möbel, die vertraute Formen und eine intuitive Handhabung besitzen. Wichtig ist eine für Senior*innen angepasste Sitzhöhe und eine ergonomische, bequeme Sitzqualität. Bei Sofas und Sesseln sind dies ein hoher Rücken, gerundete Kanten sowie gepolsterte, griffige Armlehnen. Der verwendete Schaumstoff ist fester als bei üblichen Sofas, damit sich die Senior*innen gut aufstützen und selbständig aufstehen können. Die Möbel sind eher schwer und stehen dadurch solid auf dem Boden, damit sie nicht rutschen, auch wenn sich die Benutzenden in den Sessel fallen lassen. Menschen mit Demenz setzten sich oft und gerne gemeinsam sowie dicht beieinander hin. Attraktiv ist da ein grösseres Sofa, das auch bequem für ein Nickerchen genutzt werden kann.

Förderung der Orientierung und Ruhe

Bei einem Besuch vor Ort in Wipkingen klärte ich mit den zuständigen Personen des Gesundheitszentrums Trotte die Bedürfnisse und die Raumsituation ab. Ich gab Empfehlungen ab, wie die Möbel platziert werden und welche unterstützenden Massnahmen bei der Raumgestaltung getroffen werden sollten, um eine ruhige, sichere Atmosphäre zu schaffen. Hierzu gehören nebst den Möbeln auch die Farbgestaltung, die Beleuchtung, der Einsatz von Wohntextilien und akustische Massnahmen. Sofas und Sessel mit einer vertrauten Form sind einfach verständlich und einladend. Klare Kontraste und Sichtbezüge helfen Demenzbetroffenen, sich im Raum zurecht zu finden. Ideal ist, wenn die Möbel mit der Wahl des Bezugsstoffs individuell gestaltet sind sowie sichtbar und einladend im Raum stehen. Standorte, wo Bewohner*innen etwas vom Geschehen im Raum mitbekommen, sind sehr beliebt – beispielsweise beim Eingang, beim Lift, nahe des Stationszimmers oder zum Gemeinschaftsraum hin ausgerichtet. Periphere Plätze werden selten aufgesucht.

Das Gesundheitszentrum für das Alter Trotte der Stadt Zürich im Quartier Wipkingen.

Es braucht etwas Mut, Textilien in einer Pflegeinstitution einzusetzen. Die Handhabung überzeugt jedoch, da Textilien Wohnlichkeit und Geborgenheit vermitteln. Bei der Ausführung ist darauf zu achten, dass textile Bezüge und der darunterliegende Inkontinenzschutz einfach abnehmbar und hygienisch waschbar sind. Wir beobachten, wie die Menschen mit den Fingern über den Stoff gleiten und die angenehme Haptik geniessen. Für Menschen mit beeinträchtigtem Sehvermögen ist es zudem hilfreich, wenn sich der Bezug des Sitzkissens und des Gestells unterscheidet. Dadurch wird die Form lesbarer und sie erkennen besser, wo sie sich hinsetzen können. Das schafft Sicherheit und Vertrauen.

Erfahrung aus der Praxis

Vor Ort war meine Ansprechperson Benjamin Karli, Leiter Betreuung und Pflege des städtischen Gesundheitszentrums Trotte. Aus seiner Sicht sind Möbel, die den Bedürfnissen von Senior*innen und insbesondere von Menschen mit Demenz gerecht werden, unverzichtbar, um ihre Selbstständigkeit und Würde zu wahren. Er hebt hervor, dass gerade in der Pflege von älteren Menschen die Wahl der richtigen Sitzmöbel einen grossen Unterschied macht: «Es sind oft die kleinen Details, die einen grossen Einfluss haben», erklärt Karli. Zum Beispiel sei es entscheidend, dass die Sitzhöhe so angepasst ist, dass ältere Menschen ohne fremde Hilfe aufstehen können, da dies nicht nur die Mobilität fördere, sondern auch das Selbstbewusstsein und die Unabhängigkeit unterstütze.

Er beschreibt auch, wie wichtig es ist, dass die Möbel stabil und rutschfest sind: «Wenn die Bewohnenden das Gefühl haben, dass sie beim Hinsetzen oder Aufstehen Hilfe benötigen, meiden sie die Möbel, und das wollen wir verhindern.» Deshalb seien Sofas und Sessel, die fest am Boden stehen und griffige Armlehnen haben, von so grosser Bedeutung für die tägliche Pflegearbeit. Für ihn seien diese Möbelstücke nicht nur bequem, sondern sie unterstützen aktiv die Arbeit des Pflegepersonals, indem sie den Bewohner*innen Sicherheit bieten und somit das Risiko von Stürzen verringern würden.

Und auch der positive Effekt der textilen Bezüge würde überwiegen: «Textilien schaffen eine wohnliche Atmosphäre, die beruhigend wirkt und den Menschen ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt», so Karli. «Trotz anfänglicher Bedenken wegen der Reinigung haben sich die pflegeleichten und abnehmbaren Stoffe in der Praxis als sehr funktional erwiesen. Ganz generell tragen passende Möbel dazu bei, den Alltag für alle Beteiligten – Bewohner*innen wie Pflegepersonal – angenehmer und sicherer zu gestalten.»

Benjamin Karli ist Leiter Betreuung und Pflege des städtischen Gesundheitszentrums für das Alter Trotte, Bilder: zVg.

Weiterführende Informationen

www.fidera.ch

Wohnkomfort im Alter – Wertschätzung – für Bewohner & Mitarbeitende

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